Timeline

Miles & 'Trane – Die 'Kind Of Blue'- Periode (1955-1961)

Eine Kollaboration, aus der das größte Jazz-Album aller Zeiten hervorging

Miles gibt sein Debüt auf Columbia Records mit 'Round About Midnight'. Auf diesem Album präsentiert er seine Musik zum ersten Mal in klassischer Quintett-Besetzung und etabliert einen neuen Stil – den Hard Bop. Saxophonist John Coltrane – auch 'Trane' genannt - wird zum festen Bandmitglied und erarbeitet sich mit seinem Spiel schnell eine außerordentliche Stellung in der Szene.

Auf dem Album 'Milestones' wendet sich Davis zum ersten Mal dem modalen Jazz zu, die Band wächst zum Sextett an, als mit Cannonball Adderly ein weiterer Saxophonist zu den Musikern stößt.
Auf den '58-Sessions' gibt der Pianist Bill Evans seinen Einstand als Miles-Mitstreiter und steuert im Sextett bedeutende Impulse bei.

Miles Davis arbeitet nun immer konzentrierter an seinem Sound, er lässt romantische Elemente in seine Musik einfließen und bald ensteht das Album 'Kind Of Blue', das viele als eine der besten Jazzplatten der Geschichte einstufen.

Auf 'Someday My Prince Will Come' wird Miles' Musik deutlich rhythmischer. Die Band besteht mittlerweile aus Hank Mobley (Saxophon), Winton Kelly (Piano), Paul Chambers (Bass) und Jimmy Cobb (Drums). Auf zwei der Stücke, die in dieser Session eingespielt werden, ist auch John Coltrane wieder mit von der Partie.

Miles & Gil – Die Sketches Of Spain-Periode (1957-1968)

Genies vereint – Miles Davis und Gil Evans

Die Alben, die in dieser Periode entstanden, sind wunderbare Beispiele dafür, wie Miles Davis die an Ideen überbordende und beinahe gefällige wirkende Orchestrierung von Gil Evans katalysieren konnte.
'Miles Ahead' ist die erste bedeutende Produktion, die Columbia im Auftrag des Trompeters übernahm – das Ergebnis ist ein aufregendes Meisterwerk.
'Auf Porgy And Bess' reizen die beiden Musiker ihre kreativen Synergien weiter aus, auch dieses Album hat seinen Platz in der Jazz-Geschichte sicher. Miles wird auf dieser Platte – so wie es Gil Evans sich gewünscht hatte – auch immer mehr zum Singer of Songs. Wie ein Vokalist trägt er mit seinem Spiel die Stücke, Gil Evans bereitet ihm den passenden klanglichen Hintergrund.
'Sketches Of Spain' (basierend auf Rodrigos 'Concierto de Aranjuez für Gitarre und Orchester) wird als perfekte Verbindung von Jazz und klassischer Musik gefeiert. Miles entwickelt hier den Sound, den er in seiner weiteren Karriere perfektionieren sollte.
Auf 'Quiet Nights' spürt man, ganz im Trend der 60er-Jahre, brasilianische Einflüsse in der Musik. Das Album hat viele feine Momente, fällt aber im Vergleich zu den drei zuvor genannten Platten leicht ab.

Die zweite große Quintett-Periode (1965-1968)

Miles und seine Jünger – Bravourös, wild, geheimnisvoll

Als Miles Wayne Shorter (sax.), Herbie Hancock (Piano), Ron Carter (b) und Tony Williams (dr) in seine Band holt, gelingt es ihm, traditionellen Jazz mit dem Sound der Moderne zu fusionieren.
Auf 'ESP' bekommen die Hörer einen ersten Eindruck davon, wohin das kongeniale Zusammenspiel und das kreative Potential die Musiker noch führen wird.
'Miles Smiles' zählt zu den besten Alben, die Davis je in kleiner Besetzung einspielte, die Musiker liefern ein Bravourstück von schier ungezügelter Energie ab.
Die Alben 'Sorcerer' und 'Nefertiti' fangen die impressionistische Seite der Band ein, eine geheimnisvolle Aura umgibt die beiden Werke, die zwischen Juni und Juli 1967 aufgenommen werden. Hier hören wir die Band als „work in progress“, wenn sie während des Spiels neue Klanggrenzen erkundet.
Auf 'Miles In The Sky' zeichnet sich ein neuer musikalischer Richtungswechsel ab. Die Klangpalette wird durch den Einsatz eines Fender Rhodes Pianos erweitert, rhythmisch wendet man sich dem Funk zu, die Band wird zu einer der einflussreichsten des Genres. Auf 'Live At The Plugged Nickel' bekommt man einen hervorragenden Eindruck davon, wie die Band während eines Auftritts die Grenzen ihres Sounds auslotet.

Die Elektrische Periode - Rock, Fusion, Funk (1968-1972)

Miles Goes Electric und verändert die Welt des Jazz für immer

Wenn Miles neue musikalische Wege einschlug, veränderte er nachhaltig die Welt des Jazz.
So sorgt er auch 1968 für eine musikalische Revolution, als er in seinen Kompositionen die klassische akustische Jazz-Besetzung durch elektrisch verstärkte Instrumente ersetzte. Sein Sound wird nun von Keyboards, E-Bass und E-Gitarre getragen, außerdem integriert er eine Percussion-Section und Bassklarinette. Dieser Mix ist es, der dem Sound eine fast unheimliche Tonalität verleiht – ein wahres Hexengebräu von Klängen, wie der Albumtitel von „Bitches Brew“ so passend andeutet.
'Water Babies' erscheint 1976 und bezaubert mit einem ungeheuer frischen, zeitgemäßen Sound. Umso bemerkenswerter, da die Aufnahme schon acht (!) Jahre vor ihrem Erscheinen eingespielt wurde.
Auf 'Filles De Kilimanjaro' beschreitet Miles wieder einmal bislang unbekannte Jazz-Pfade, wagt sich in die Welt des Rock'n'Roll vor.
Auch auf 'In A Silent Way' bleibt der Meister dieser Richtung treu, allerdings hört man hier, getreu dem Album-Motto, die charmante, etwas feinere Interpretation von Rockmusik.

Das bereits erwähnte „Bitches Brew“ sorgte dann für den endgültigen Durchbruch von Miles Davis. 400.000 Mal wird das Album, auf dem sich alle Fusion-Stars der 70er Jahre ein Stelldichein gaben, im Erscheinungsjahr verkauft. Miles ist jetzt ein Superstar, der sich aber erfolgreich gegen den Mainstream stemmt. Für Musikkritiker markiert „Bitches Brew“ Miles' Abkehr vom traditionellen Jazz und den Übergang zu einer neuen Ära dieses Musikstils.
'A Tribute To Jack Johnson' war Miles' einziges Album, in dem der Rock alle anderen Einflüsse verdrängte. Die Platte diente als Soundtrack für einen Dokumentarfilm über den ersten schwarzen Box-Weltmeister im Schwergewicht.
'Live Evil' präsentiert sich als Mix aus Studioexperimenten und einem Konzert in Washington, D.C. Auf 'Black Beauty' und 'Live At Fillmore' lässt sich die enorme Live-Intensität von Miles' Band erleben, die nun auf ihrem kreativen Höhepunkt angekommen ist. Die Grenzen zwischen Jazz und Rock sind hier komplett aufgehoben.
Mit 'On The Corner' versucht Miles Davis das junge schwarze Publikum zu erobern, das bislang keinen Zugang zu seinem Sound gefunden hatte. Das Album wurde seinerzeit sehr kontrovers aufgenommen, gilt heute dank seiner Overdubs, Loops und intensiver Dance-Rhythmen als avantgardistischer Klassiker.
'In Concert', 'Dark Magus', 'Pangea' und 'Agartha' werden live eingespielt, in langen improvisierten Sequenzen zeigt Miles' Combo, die hier mit drei Gitarren zu Werke geht, ihre abstrakten und atmospährischen Facetten. Bevor er sich 1976 aus der Szene zurückzieht, nimtm Miles Davis als Tribut an den großen Duke Ellington noch das wunderbare „Get Up With It“ auf.

'The Man With The Horn' und die Folgealben - Das Spätwerk von Miles Davis

Der Meister kehrt zurück

Als Miles 1980 wieder ins Rampenlicht tritt, hat er eine neue Band um sich versammelt. Sein Sound klingt jetzt zeitgemäß und damit weniger abstrakt.
'The Man With The Horn' ist das erste Album seines Spätwerks, das Folgealbum 'We Want Miles' präsentiert seine neuer Tourbesetzung im Live-Einsatz. Gerade mit Auftritten wie diesem kann der Meister sich eine neue Fangemeinde erschließen.
Auf den Studioalben 'Decoy' und 'You Are Under Arrest' beweist Miles, wie nahe er immer noch am musikalischen Puls der Zeit ist.